Freiheit - dem Kleiderbügel ein Riegel vorgeschoben?

Fortsetzung des Artikels von Sophie R., Klara S. und Omed K. 

 

Schule soll uns auf das Leben vorbereiten. Dazu gehört auch, eigene Entscheidungen zu treffen und eben auch Kleidung. Denn nur wer ausprobieren darf, kann herausfinden, wer er oder sie wirklich ist. Muss wirklich jedes auffällige Outfit gleich ein Problem sein? Oder könnten wir lernen, Unterschiede einfach zu akzeptieren, statt sie zu bewerten? 

Kleidung ist Ausdruck. Sie zeigt, wer wir sind, was wir mögen und wie wir uns fühlen. Und trotzdem entsteht oft der Eindruck, dass genau dieser Ausdruck eingeschränkt wird. Schule will uns beibringen, kritisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen, wir selbst zu sein. Aber gleichzeitig zwingt sie uns, uns zu verstecken, unter Kleidung, die nichts von uns erzählt. Wie soll da eine Balance entstehen, wie soll das je im Einklang zueinanderstehen? 

Denn manche Schulen entwickeln sich immer mehr zu einem Dressurplatz, auf dem unwidersprechliche Regeln herrschen. Sei ordentlich! Sei brav! Sei "angemessen"! Nur bitte nicht zu bunt, zu laut, zu echt. Da fragt man sich doch: Wollen wir in unserer Gesellschaft Menschen oder Puppen? 

Es geht nicht darum, dass alle alles dürfen. Nein, es geht um die Frage des Respekts. Aber Respekt heißt nicht, dass jede und jeder gleich sein muss. Respekt fängt da an, wo man die Unterschiede untereinander akzeptiert oder auch nur aushält. Egal ob jemand lieber weite Hoodies trägt oder gerne seine Schultern zeigt, na und? Kleidung ist kein Charaktertest und Style ist keine Straftat. 

Alle reden immer von Freiheit: Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, persönliche Freiheit. Doch diese stoppt anscheinend häufig vor dem Kleiderbügel. Das ist wiederum sehr paradox. Nur wer lernen darf, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn es falsche sind, kann verstehen, was echte Verantwortung ist und das ist doch ein grundsätzliches Ziel des Bildungssystems. 

Wir Schüler sind keine Zootiere, keine Ausstellungsstücke für Disziplin. Wir sind Menschen mit Köpfen, Herzen und Geschmack mit dem Wunsch nach freier Entscheidung – auch darüber, wie wir aussehen. Nicht um irgendjemanden zu provozieren, sondern nur, um wir selbst zu sein. Denn das ist der erste Schritt zur Freiheit. Also macht die Käfigtüren auf. Lasst uns atmen, ausprobieren, austesten, wer wir sind und wer wir sein wollen. Wir brauchen keine Kleiderordnung, die uns vorgibt, wie viel Persönlichkeit erlaubt ist. Wir brauchen Vertrauen und die Chance, Verantwortung zu lernen, anstatt sie abzugeben.  

An unserer Schule haben wir das Glück, uns frei fühlen zu dürfen. Niemand schreibt uns vor, was wir zu tragen haben. Doch wir wissen, dass es an einigen anderen Schulen anders aussieht. Deshalb schreiben wir diesen Artikel – für all die Schülerinnen und Schüler, die diese Freiheit nicht haben. Denn jeder sollte das Recht haben, sich selbst ausdrücken zu dürfen.