Freiheit und Grenzen – Wenn Grundrechte sichtbar werden
Religionsfreiheit für wen? – Religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden
Gastbeitrag von Enes Akan und Sebastian Fuchs
Jeder sollte seinen Glauben selbst wählen und ausleben dürfen. Deshalb ist die Glaubensfreiheit auch im Grundgesetz in Artikel 4 Absatz 1 verankert. Doch wenn man in öffentlichen Gebäuden, vor allem in Klassenräumen in Bayern, nachschaut, stellt sich die Frage, wie diese Religionsfreiheit in der Praxis umgesetzt wird. Im Jahr 2018 wurde von der bayerischen Landesregierung entschieden, dass in jedem Dienstgebäude ein Kreuz gut sichtbar aufgehängt werden muss – der sogenannte Kreuzerlass (AGO §28).
Dieses Thema ist nicht erst nach dem Kreuzerlass kontrovers geworden, sondern wurde auch früher in der Gesellschaft viel diskutiert. So wurde im Jahr 1995 vom Bundesverfassungsgericht entschieden, dass christliche Kreuze in Schulräumen nicht angebracht werden dürfen – der Kruzifix-Beschluss. Das Problem entstand jedoch dadurch, dass die Bundesländer dieses Urteil nur zögerlich oder gar nicht umgesetzt haben. Dies wirft die Frage auf, wie verbindlich Gesetze sind, wenn sie in der Praxis nicht konsequent befolgt werden.
In einer Schule, in der mehrere Kulturen und Religionen aufeinandertreffen und in der Glaubensfreiheit gelten sollte, entsteht durch das Aufhängen von Kreuzen in jedem Klassenzimmer ein Widerspruch. Dies kann bei Schüler:innen mit anderem Glauben ein Gefühl der Benachteiligung hervorrufen. So haben auch 14 von 81 Befragten an der FOSBOS Kaufbeuren – darunter auch Lehrkräfte – angegeben, dass sie mit dem Kreuz in den Schulen unzufrieden sind. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch häufig wird genannt, dass dies nicht der im Grundgesetz verankerten Glaubensfreiheit entspricht. Natürlich gab es auch Befragte, die mit einem Kreuz zufrieden sind, wobei diese meist dem Christentum angehören. Hier wird eine Ungleichbehandlung deutlich.
Deshalb möchten wir mit unserem Foto zeigen, dass es Menschen gibt, die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, dies aber oft nicht zum Ausdruck bringen können. Häufig handelt es sich dabei um Menschen mit Migrationshintergrund, die das Gefühl haben, dass sie diese Situation einfach hinnehmen müssen. Außerdem möchten wir die Schüler:innen und Lehrkräfte der Schule zum Nachdenken anregen, ob es angemessen ist, dass in jedem Klassenzimmer ein Kreuz hängt, obwohl es auch andere Religionen in der Schule gibt und die Glaubensfreiheit im Grundgesetz verankert ist.
Natürlich müssen wir wertschätzen, dass wir Glaubensfreiheit haben, auch wenn diese nicht immer vollständig umgesetzt wird. Wir haben hier großes Glück, denn nicht in jedem Land gibt es Glaubensfreiheit, und vielen Menschen wird das Leben schwer gemacht, indem ihr Glaube unterdrückt oder sogar verboten wird. Trotzdem müssen wir anerkennen, dass es diese Einschränkungen, vor allem in Bayern, gibt, und deshalb sollten wir als Gesellschaft Lösungen finden, sodass jeder ein gleichberechtigtes Leben in der Bundesrepublik Deutschland führen kann.
Ein Lösungsvorschlag von unserer Seite wäre, dass man religiöse Symbole in öffentlichen Einrichtungen generell nicht anbringt. Dies klingt einfacher, als es ist, denn ein solcher Beschluss würde vermutlich auf großen Widerstand stoßen, vor allem bei denen, die den Kreuzerlass beschlossen haben. Außerdem ist diese Tradition in der Gesellschaft tief verankert und lässt sich nicht ohne Weiteres ändern.
Zusammenfassend möchten wir sagen, dass es uns nicht darum geht, das Christentum zu kritisieren, sondern die Ungleichbehandlung sichtbar zu machen. Wir möchten zeigen, dass es problematisch ist, wenn ein Staat, der neutral sein sollte, in Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden ein religiöses Symbol anbringt. Dies lässt uns hinterfragen, inwieweit wir uns auf die Neutralität des Staates und der Gesellschaft verlassen können.
Barrierefreiheit – Unsichtbare Mauern
Gastbeitrag von Christina Vogel, Miriam Melder und Khaled Alahmad
Man mag es kaum ahnen aber Kleinigkeiten können große Hürden sein, für Menschen mit Krücken, Rollstühlen und Kinderwägen. Eine Türschwelle von nicht einmal drei Zentimetern kann schon das Ende eines Weges sein, den ein Rollstuhlfahrer zu bezwingen versucht. In Deutschland besteht die Pflicht, einen öffentlichen Raum barrierefrei zu gestalten und wenn man gewisse Kleinigkeiten schon von Anfang mit einplanen würde, dann kostet das Ganze auch nicht so viel, aber würde für die Betroffenen die Welt bedeuten. Beispiele für Barrierefreiheit wären bedarfsgerechte Leitstreifen, die nicht vollgestellt sind, Rampen und Aufzüge, die den Ansprüchen gerecht werde, und breitere Gänge in öffentlichen Gebäuden.
Warum wollen wir auf das Thema aufmerksam machen?
Es gibt deutlich mehr unsichtbare Hürden, als wir denken und wir wollen diese sichtbar machen. In Deutschland ist die Barrierefreiheit gesetzlich geregelt, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist am 18. August 2006 in Kraft getreten. Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Damit ist der Gesetzgeber einer sehr wichtigen Forderung von Menschen mit Behinderungen nachgekommen: einem besseren Schutz vor Benachteiligungen auch im Privaten.
Welche Themen wollen wir hier ansprechen?
Rampen sind nicht nur für Rollstuhlfahrer essentiell, sondern auch für alte Menschen mit Gehhilfen oder Mütter mit Kinderwägen. Was viele nicht wissen ist, dass es in Deutschland genormt wurde, wie steil eine Rampe sein darf. Laut der DIN 18040 dürfen die Rampen nur maximal 6% Steigungswinkel haben, ansonsten sind diese unzulässig.
Leitstreifen sind dafür da, um das Leben von Blinden oder Sichteingeschränkten fairer zu machen. Mit Hilfe von am Boden verteilten Linien bekommen diese Menschen wieder ein Teil ihres Lebens und ihrer Eigenständigkeit zurück. Leider sind die Leitstreifen besonders an Bahnhöfen vollgestellt und Blinde, die sich nur an diesen Streifen orientieren, müssen diesen verlassen, um weiterzukommen.
Aufzüge an öffentlichen Orten sind ebenso wichtig wie Rampen, sie helfen denen, die keine Treppen laufen können, und deshalb ohne den Aufzug aufgeschmissen wären. Leider sind diese teuer und man braucht beispielsweise an Bahnhöfen immer mehr als einen Aufzug, um die verschiedenen Gleise zugänglich zu machen. Aufzüge sind jedoch wartungsbedürftig und wenn sie doch mal kaputt gehen, wird es für Angewiesene schwierig, an wichtige Orte zu kommen.
Was wir mit unserem Bild sagen wollen
Das Bild steht sinnbildlich für eine alltägliche Situation, die viele Menschen betrifft, jedoch oft übersehen wird oder nicht genug Aufmerksamkeit erlangt: fehlende Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Die Benutzung einer Treppe ist für Unbetroffene selbstverständlich, wird aber für Personen im Rollstuhl zu einer unüberwindbaren Grenze. Kleine Kanten oder Treppen sind nicht nur ein physisches Hindernis, nein, dahinter steckt viel mehr: Umwege, Zeitverlust oder der völlige Ausschluss von einem Ort. Diese Form der Ausgrenzung bekommt im Alltag wenig Aufmerksamkeit, da sie diejenigen betrifft, denen ohnehin selten aufgeschlossen zugehört wird.
Besonders wichtig ist uns darauf hinzuweisen, dass Barrieren häufig fest in unserer Umwelt verankert und gesellschaftlich „normalisiert“ sind. Aufzüge, Treppen oder Rampen werden oft nur als optional oder zusätzlicher Kostenfaktor gesehen. Barrierefreiheit wird nicht als Grundvoraussetzung, sondern als Ausnahme verstanden.
Das Bild soll verdeutlichen mit welchen Herausforderungen Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, häufig konfrontiert werden.
Schlussgedanke
In Deutschland gibt es ungefähr 13 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung davon sind 8 Millionen schwerbehindert. Barrierefreiheit ist nicht nur für die Menschen da, bei denen es erkennbar ist, Einschränkungen sind nicht immer sichtbar. Deshalb ist es wichtig, bei einem Großteil der öffentlichen Plätze für Barrierefreiheit zu kämpfen, weil wir damit allen Menschen helfen, sich besser in das Sozialleben einzubringen.
(Un)Freiheit im Alltag – Handlungsfreiheit
Gastbeitrag von Sebastian Schedler
Das Bild zeigt eine Kreuzung, an der sich mehrere Wege treffen und dann wieder trennen. Dieses Bild ist ein Symbol für die Freiheit, die jeder Mensch in seinem Alltag hat. In einer Gesellschaft, in der es Demokratie gibt, kann jede Person entscheiden, was sie tun möchte und welchen Weg sie in ihrem Leben gehen will. Die Kreuzung zeigt, dass es nicht nur einen Weg gibt, den man gehen muss, sondern dass es viele Möglichkeiten gibt, zwischen denen man wählen kann.
Das bedeutet für uns, dass man frei ist von äußeren Zwängen. In unserem Rechtsstaat hat jeder das Recht, zu tun und zu lassen, was er will. Es gibt jedoch eine wichtige Einschränkung: die Freiheit anderer Menschen darf nicht verletzt werden und alle geltenden Gesetze müssen eingehalten werden.
Die Kreuzung ist ein gutes Beispiel dafür. Alle Wege sind offen und man kann wählen, welchen Weg man geht. Aber es gibt auch Regeln, die gelten. Es gibt Straßenverkehrsregeln, Schilder und Gesetze, die sicherstellen, dass die individuelle Freiheit nicht in Chaos oder Gefahr umschlägt. Das bedeutet, dass man seine Freiheit ausleben darf, solange andere Menschen dadurch nicht gefährdet oder eingeschränkt werden.
Das Bild von Freiheit wird auch kritisch gesehen. Wenn man an einer Weggabelung steht, hat man nicht nur die Freiheit zu wählen, sondern auch die Verantwortung für diese Wahl zu tragen. Jede Entscheidung, die man trifft, zieht Folgen mit sich. Es gibt keine Garantie, dass der gewählte Weg zum gewünschten Ziel führt. Außerdem haben nicht alle Menschen die gleichen Chancen, frei zu wählen. Hier spielen Faktoren wie die soziale Herkunft, die Bildung, die wirtschaftliche Lage oder gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle. Deshalb ist Freiheit nicht nur ein Recht, das man hat, sondern auch eine Herausforderung, die ein aktives Nachdenken und eine Verantwortung für die eigenen Entscheidungen erfordert.
Das Bild bringt uns dazu, über unser eigenes Leben nachzudenken. Es zeigt uns, wie es mit unserem Alltag zusammenhängt. Zum Beispiel wenn wir uns für einen Beruf entscheiden, unsere politische Meinung bilden oder aber auch wichtige Entscheidungen für unser persönliches Leben treffen. Dadurch fühlen wir uns persönlich angesprochen und können langfristig etwas lernen.
Wenn man die Kreuzung aus politischer Sicht betrachtet, sieht man, wie wichtig es ist, dass individuelle Freiheit und staatliche Ordnung zusammenpassen. Gesetze beschränken unsere Freiheit nicht nur, sondern sichern auch, dass alle die gleichen Rechte haben. Ohne Regeln würde es keine wahre Freiheit geben, sondern nur der Stärkere hätte Recht.